Alles über die Automatische Fahrgastzählung (AFZ): Ein Leitfaden

Verbesserte ÖPNV-Planung durch lokale Daten

Ein starker öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist wichtig für das Gelingen der Verkehrswende und das Erreichen der Klimaziele. Besonders im urbanen Raum ist ein Umdenken notwendig, da die Straßen dort zunehmend überlastet sind, nicht nur zu den Hauptverkehrszeiten.

Mobilität ist ein grundlegendes Bedürfnis der Menschen und eine Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Dabei streben Menschen vor allem danach, schnell, sicher und bequem ihr Ziel zu erreichen. Es bedarf daher guter Mobilitätsangebote, die nicht nur eine bloße Beförderung von A nach B ermöglichen, sondern auch die Lebensqualität in städtischen Gebieten steigern.

Der ÖPNV bildet das Rückgrat des städtischen Verkehrs und erfüllt zahlreiche wichtige Aufgaben. Rasant wandelnde Mobilitätsbedürfnisse stellen jedoch auch hohe Anforderungen an den ÖPNV, der bestrebt ist, seine Bedeutung im Mobilitätsmix zu festigen und durch attraktive Angebote mehr Menschen dazu zu bewegen, vom Auto auf Busse, Straßenbahnen und Züge umzusteigen. Fahrgäste müssen sich jederzeit auf den ÖPNV verlassen können – und das betrifft nicht nur die Pünktlichkeit, sondern auch Flexibilität und Komfort.

Verbesserte ÖPNV-Planung durch lokale Daten
Die nahtlose Integration multimodaler Mobilitätsangebote und die Weiterentwicklung des ÖPNV macht eine enge Verzahnung notwendig. Eine solide Datenbasis bietet eine hervorragende Ausgangslage für solche strategischen und planerischen Bemühungen.

Da sich Nachfrage- und Nutzungsmuster aus einer Vielzahl von Gründen ändern können, sehen sich Verkehrsplaner:innen im ÖPNV mit einigen Herausforderungen konfrontiert. Sowohl langfristige Veränderungen durch neue Stadtteile, Infrastrukturprojekte, neu angesiedelte Unternehmen und Arbeitgeber müssen berücksichtigt werden. Aber auch kurzfristige Spitzen aufgrund von Hauptverkehrszeiten, Veranstaltungen oder Unfällen spielen eine Rolle. Zusätzlich wirken sich veränderte Präferenzen der Fahrgäste sowie neue Mobilitätsdienstleistungen auf die Nachfrage aus.

Diese Herausforderungen können Mobilitätsanbieter nur meistern, indem sie die verschiedenen langfristigen und kurzfristigen Faktoren sowohl messen als auch vorhersagen und ihr Angebot entsprechend anpassen. Am besten umsetzen lässt sich dies mit aktuellen und verlässlichen Mobilitätsdaten über die Fahrgastbewegungen im gesamten Verkehrsnetz. Fahrgastzahlen bieten eine ausgezeichnete Grundlage für planerische und verkehrswirtschaftliche Entscheidungen, indem sie Einblick in Struktur und Umfang der Nachfrage geben.

Diesen Ansatz unterstreicht auch die Politik: Im Jahr 2022 erließ die Bundesregierung die Mobilitätsdatenverordnung, die die gesamte ÖPNV-Branche dazu verpflichtet, sowohl statistische als auch dynamische Daten im Linienverkehr zentral bereitzustellen. Mobilitätsdaten haben sich als essenzieller Bestandteil der Infrastruktur etabliert und genießen sowohl in der EU-Delegiertenverordnung 2017/1926 als auch der deutschen Mobilitätsdatenverordnung systemrelevante Bedeutung. Auch ein neues Mobilitätsdatengesetz soll 2024 verabschiedet werden.

Automatische Fahrgastzählsysteme (AFZ) stellen die zuverlässigste Quelle für Fahrgastzahlen und Nutzungsverhalten dar. Sie erfassen das Bewegungsmuster der Menschen im öffentlichen Raum und beim Einsteigen in den öffentlichen Nahverkehr, was als Passenger Flow vom Start bis zum Ziel sichtbar wird.

Was ist die Automatische Fahrgastzählung (AFZ)?

Bei der automatischen Fahrgastzählung handelt es sich um ein System, das die präzise Erfassung aller ein- und aussteigenden Fahrgäste ermöglicht. Zählsensoren im Türbereich eines Fahrzeugs registrieren die Zählereignisse, die anschließend mit GPS-Koordinaten versehen an die Landseite gesendet werden, um weitere Analysen zu ermöglichen.

Dank eines AFZS können Verkehrsunternehmen und -verbünde die Nutzung ihres Angebots präzise erfassen, Bedürfnisse identifizieren und das Fahrgastverhalten eingehend analysieren und verstehen. Aus diesen Erkenntnissen werden gezielte Maßnahmen zur Optimierung entwickelt. Ein vielfältiges und verlässliches Mobilitätsangebot steigert nicht nur die Zufriedenheit der Kund:innen und erhöht die Sicherheit, sondern macht den öffentlichen Nahverkehr auch für Personen attraktiver, die diesen zuvor nur selten oder gar nicht genutzt haben.

Einsatzmöglichkeiten in verschiedenen Verkehrsmitteln

Die automatische Fahrgastzählung ist äußerst vielseitig und kann problemlos in verschiedenen Arten von öffentlichen Verkehrsmitteln eingesetzt werden, darunter Busse, Züge, U-Bahnen und sogar Fähren. Die Besonderheiten jedes Verkehrsmittels werden berücksichtigt, etwa Doppeldeckerbusse oder Modelle, die möglicherweise nicht auf jeder Straße fahren dürfen. Diese Flexibilität ermöglicht eine präzise Erfassung der Fahrgastzahlen unabhängig von den spezifischen Gegebenheiten des Transportsystems.

Zähldaten und deren Potenzial

Kann die automatische Fahrgastzählung dazu beitragen, Städte zu verbessern? Tatsächlich ist ein Wandel ohne Wissen kaum vorstellbar. Indem wir verstehen, wie sich Menschen in der Stadt bewegen, wie viele davon den öffentlichen Nahverkehr nutzen und welche Verkehrsmittel bevorzugt werden, können wir wertvolle Erkenntnisse gewinnen – und diese Erkenntnisse stecken in den Daten.

Durch die automatische Fahrgastzählung werden diese Daten präzise erfasst. Anschließend ermöglicht die detaillierte Analyse der Fahrgastströme fundierte Entscheidungen, um den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu gestalten und Teil des Verkehrswandels zu sein.

Verkehrsbetriebe können dank der automatischen Fahrgastzählung die Entwicklung in Echtzeit verfolgen und stets über aktuelle und genaue Fahrgastzahlen verfügen. Diese Daten dienen nicht nur der Dokumentation der erbrachten Leistung für eine gerechte Einnahmeaufteilung im Verbund, sondern auch einer vorausschauenden Planung von Angeboten und Personaleinsätzen.

Immer mehr Nahverkehrsunternehmen setzen auf datengestützte Verkehrsplanung und digitale Vernetzung, um die Qualität des Verkehrsmanagements und der Fahrgastinformation zu verbessern.

Manuelle vs. Automatische Fahrgastzählung

Fahrgastzahlen waren schon immer eine wichtige Kenngröße für den ÖPNV und wurden regelmäßig durch manuelle Zählungen erhoben. Diese spielen auch heute noch vielerorts eine große Rolle. Manuelle Zählungen sind jedoch äußerst aufwendig und werden maximal ein- bis zweimal jährlich durchgeführt, weshalb sie auch nur einen Ausschnitt des Geschehens erfassen können. Darüber hinaus ist es erforderlich, die erfassten Daten zu digitalisieren, damit sie in ein Analysetool übertragen werden können. Auf diese Weise können jährliche Auswertungen und Vergleiche durchgeführt werden.

Auch wenn die manuelle Fahrgastzählung die Erfassung zusätzlicher Merkmale ermöglicht, wie die Sauberkeit des Fahrzeugs oder Fahrgäste nach ihrem genutzten Fahrschein oder dem Reiseweg und Reisezweck zu befragen, ist dieses Verfahren sowohl personal- und zeitaufwändig als auch entsprechend teuer. Hinzu kommt, dass Kund:innenbefragungen in Kombination mit manuellen Zählungen lediglich Momentaufnahmen liefern.

Jährliche oder halbjährliche Analysen reichen nicht mehr aus, um den sich ständig verändernden Kontexten urbaner Mobilität gerecht zu werden. Besonders die COVID-19-Pandemie hat die Notwendigkeit verdeutlicht, schnell auf Veränderungen in der Nachfrage im öffentlichen Nahverkehr reagieren zu können. Es ist daher unerlässlich, zuverlässige und stets aktuelle Mobilitätsdaten zu erheben, um dynamisch auf diese Veränderungen reagieren zu können.

Eine gründliche Analyse der Verkehrsströme stellt sicher, dass der öffentliche Verkehr nachfragegerecht konzipiert ist. Um diese Herausforderung zu meistern, wird verstärkt versucht, so viele der oben genannten Probleme wie möglich automatisch und kontinuierlich zu erfassen.

Einnahmeaufteilung und -optimierung im ÖPNV

Die Finanzierung und das Leistungsangebot im öffentlichen Personennahverkehr liegen in der Verantwortung der einzelnen Bundesländer. Seit 1996 erhalten die Länder zusätzliche Mittel vom Bund, die sogenannten „Regionalisierungsmittel“. Darüber hinaus erwirtschaften Verkehrsunternehmen Einnahmen durch Abo- und Ticketverkäufe.

Fahrscheine werden nach Tarifgebieten verkauft und sind nicht am tatsächlichen Verkehrsbetrieb orientiert. So kommt es vor, dass Fahrgäste ihre Tickets bei einem Verkehrsbetrieb erwerben, der allerdings nicht selbst die tatsächliche Beförderungsleistung erbringt. Da die Einnahmen am Ende des Geschäftsjahres unter den Verkehrsunternehmen eines Verbunds aufgeteilt werden, ist eine präzise und zuverlässige Erfassung und Zählung der Fahrgäste entscheidend für eine faire Finanzierung.

Die Einführung des Deutschlandtickets im Mai 2023 hat die Frage der Einnahmeaufteilung weiter in den Vordergrund gerückt. Während die Regionalisierungsmittel zwar kurzfristig erhöht wurden, entgehen regionalen Verkehrsverbünden potenzielle Einnahmen, da Kund:innen das Ticket bundesweit erwerben und regelmäßig auch andere Verkehrsangebote nutzen können. Um Ausgewogenheit zu gewährleisten, sollte die tatsächlich erbrachte Transportleistung anhand einer definierten Kennzahl, dem Personenkilometer, evaluiert werden.

Es liegt nun an den Verantwortlichen in Verkehrsbetrieben und Verkehrsverbünden, belastbare Fahrgastzahlen vorzulegen. Herkömmliche Kund:innenbefragungen in Kombination mit manuellen Zählungen sind jedoch wie bereits erwähnt zeit- und kostenintensiv und bieten nur eine Momentaufnahme. Die Einführung automatischer Fahrgastzählsysteme stellt daher eine valide Lösung dar, um die Anforderungen an eine präzise und kontinuierliche Erfassung von Fahrgastdaten zu erfüllen.

Lösungen durch die automatische Fahrgastzählung (AFZ)

Die automatische Fahrgastzählung stellt eine effektive Lösung dar, um den Bedarf an genauen Fahrgastdaten im öffentlichen Personennahverkehr zu decken. Ein wesentlicher Vorteil der AFZ-Technologie liegt nicht nur in der Erfassung der ein- und aussteigenden Fahrgäste, sondern auch in ihrer Fähigkeit, Objekte wie Fahrräder und Rollstühle zu erkennen und zu zählen. Ebenso registriert die Technologie kleinste Veränderungen und Schwankungen im Fahrgastaufkommen, was für Verkehrsplaner:innen von großem Vorteil sein kann.

Im Vergleich zu anderen Datenerfassungsmethoden wie WLAN- oder Fahrscheindaten bietet das AFZ-System eine unabhängige und präzise Lösung. Während WLAN-Daten die Nutzung von Mobiltelefonen erfordern und Fahrscheindaten nicht die Vielfalt der Beförderungsmittel erfassen können, bietet die AFZ-Technologie eine zuverlässige Erfassung ohne die Einschränkungen anderer Systeme. Dies gewährleistet zudem eine präzise Ermittlung der Einnahmen im ÖPNV und unterstützt eine faire Finanzierung.

Durch die Kombination von AFZ-Daten mit qualitativen Kund:innenbefragungen können Verkehrs- und auch Stadtplaner:innen letztendlich noch aussagekräftigere Erkenntnisse gewinnen und auf Basis der lokal gesammelten Daten fundierte Entscheidungen treffen, um die Lebensqualität in unseren Städten zu verbessern und den öffentlichen Nahverkehr effizienter zu gestalten.

AFZ-Technologien und -Systeme

Die Implementierung eines automatischen Fahrgastzählsystems im öffentlichen Nah- und Regionalverkehr umfasst die Installation von Zählsensoren in den Türbereichen von Bussen, Straßenbahnen, U-Bahnen und S-Bahnen, die kontinuierlich Ein- und Aussteigende erfassen. Doch wie gelangen die erfassten Daten vom Sensor zur Verarbeitung? Dieser Prozess findet im Fahrzeug statt, genauer gesagt im Bordrechner oder einem AFZ-Zentralrechner (der sogenannten People Counting Unit [PCU]), wo die gesammelten Zähldaten bereits mit einem Zeitstempel und dem GPS-Standort der Haltestelle kombiniert werden.

Die PCU überträgt diese Daten in Echtzeit an einen landseitigen Computer, in der Regel einen Server des Verkehrsunternehmens oder -betriebs, der für die Erfassung und Verarbeitung der Mobilitätsdaten zuständig ist. Von dort aus werden die Daten in eine spezielle Analysesoftware importiert, um sie zu analysieren und Berichte zu erstellen. Diese Berichte beinhalten aber nicht nur die Anzahl der Passagiere, sondern auch deren Verkehrsmittelpräferenzen und die Häufigkeit der Nutzung bestimmter Strecken oder Linien im Laufe der Zeit. Die Unternehmen nutzen diese Daten, um mithilfe von Business Intelligence die Fahrgastströme und andere relevante Parameter auszuwerten und fundierte Entscheidungen zu treffen. Das System funktioniert autonom und zählt kontinuierlich an jeder Haltestelle, ohne die Notwendigkeit einer manuellen Eingabe durch die Fahrer:innen.

Die Sensoren der neuesten Generation erreichen eine Zählgenauigkeit von bis zu 98 % und sind auch in der Lage, Objekte wie Fahrräder und Rollstühle zu erkennen und zu zählen. Insgesamt ist dieses System deutlich zuverlässiger und präziser als alternative Datenquellen im öffentlichen Verkehr, wie beispielsweise WLAN- oder Ticketing-Daten.

DILAX Citisense

Fahrgastzählsysteme stellen zwar ein zentrales Element zur Erfassung von Mobilitätsdaten im ÖPNV dar, jedoch liefern sie zunächst nur Rohdaten, die durch intelligente Analyse in aussagekräftige Informationen umgewandelt werden müssen. Aus diesem Grund hat DILAX bereits frühzeitig eine Software entwickelt, die Verkehrsbetrieben ermöglicht, diese Daten operativ und strategisch zu nutzen.

Als Business Intelligence Tool bietet DILAX Citisense Mobilitätsanbietern eine umfassende Lösung zur Auswertung von Fahrgastdaten aus automatischen Fahrgastzählsystemen. Mit dieser Software können Verkehrsbetriebe detaillierte Analysen zum Passenger Flow durchführen und wichtige Erkenntnisse über die Fahrgastströme in ihrem Netzwerk gewinnen. Neben der Analyse der Fahrgastauslastung und der Pünktlichkeit ermöglicht DILAX Citisense eine effiziente Personalplanung und verfügt zusätzlich über eine Leistungserfassungsfunktion, die für die Berechnung der geleisteten Fahrgastkilometer und somit eine faire Einnahmenaufteilung innerhalb von Verkehrsverbünden essenziell ist.

Die technologiebasierte Zählung gemäß VDV 457 gewährleistet eine Genauigkeit von 99 %. Es ist möglich, zunächst nur einen Teil der Flotte mit Zählsensoren auszustatten und anschließend sukzessive nachzurüsten. Sobald alle Fahrzeuge mit Zählsensoren ausgestattet sind, ermöglicht dies eine Echtzeit-Ermittlung der Passagierzahl pro Wagen über das gesamte Netzwerk hinweg. Bevor die gesammelten Daten jedoch für weitere Analysezwecke verwendet werden, erfolgt ein entscheidender Schritt: das Matching. Dabei werden die aufgezeichneten Daten aus den Fahrzeugen mit den geplanten Fahrplandaten abgeglichen, um sicherzustellen, dass die erfassten Passagierzahlen den erwarteten Fahrplanbedingungen entsprechen. Erst nach diesem Abgleich werden weitere Schritte wie die Hochrechnung der Passagierzahl durchgeführt, insbesondere wenn die Fahrzeugflotte nur teilweise mit automatischen Fahrgastzählsystemen ausgestattet ist, und die nach VDV 457 2.1 zertifizierte Messfahrtenplanung mit DILAX Samplics verwendet wird.

Als Softwarelösung stellt DILAX Samplics hier das geeignete Werkzeug zur Einhaltung dieser Richtlinie dar. Es führt zunächst Korrelations- und Plausibilitätsprüfungen durch, um hochwertige Daten zu gewährleisten. Bei Ausfällen oder Störungen können Datenlücken auftreten, die im Zusammenspiel mit DILAX Citisense identifiziert und durch Interpolation ausgeglichen werden müssen. Kleinere Zählfehler werden mittels Saldenausgleich über die gesamte Fahrt korrigiert. Diese Algorithmen arbeiten im Hintergrund, während Anwender im Vordergrund Berichte zur Auslastung von Linien, Haltestellen und dem gesamten Netzwerk erhalten, visualisiert mit Microsoft Power BI.

DILAX Citisense unterstützt das Fleet Management, indem es relevante Messwerte wie Pünktlichkeit (Verspätungen, Annullierungen, Überbelegung, Störungen) und Auslastung (Max/Min/Durchschnittlich) liefert. Diese Analysen dienen der Disposition der Fahrzeugflotte, der Fahrplangestaltung, der Kapazitätsplanung und dem Netzbetrieb. Eine Neuerung ist dabei die Möglichkeit, Belegungsdaten auch für Fahrgäste in der Kund:innen-App zugänglich zu machen, was eine umfassende Datenerhebung in allen Fahrzeugen des Netzwerks erfordert.

Als SaaS-Plattform ermöglicht DILAX Citisense eine ganzheitliche Auswertung von Mobilitätsdaten im ÖPNV. Durch den Abgleich der Rohdaten, die bereits mit einem Zeitstempel und Geodaten angereichert sind, mit zusätzlichen Daten wie Fahrplänen, Haltestellen, Türöffnungen, Stauinformationen und anderen Ereignissen aus weiteren Quellen wie Reservierungssystemdaten, WLAN-Daten und Ticketing-Apps, kann das Beste aus den AFZ-Daten herausgeholt werden. Der Einsatz von maschinellem Lernen ermöglicht zudem die Erstellung von detaillierten Berichten, Prognosen und Simulationen, die eine fundierte Entscheidungsfindung unterstützen.

Grundsätzlich kann DILAX Citisense nicht nur Momentaufnahmen sowie interaktive Tages- und Wochenberichte generieren, sondern auch über lange Zeiträume umfassende Statistiken, Prognosen sowie individuelle Berichte auf Basis von kund:innenspezifischen KPIs (Key Performance Indicators) wie Pünktlichkeit oder Auslastung. Die Software ermöglicht sogar Simulationen und Vorhersagen durch maschinelles Lernen, indem historische Daten mit Echtzeitdaten abgeglichen werden.

DILAX SLS-1000

Der neueste AFZ-Sensor DILAX SLS-1000 nutzt die Structured-Light-Technologie, bei der ein Laserprojektor-Modul ein Punktmuster erzeugt. Eine Kamera nimmt dabei die Verzerrungen des Punktmusters auf und fertigt ein Tiefenbild an, aus dem ein äußerst präzises 3D-Profil eines Menschen oder Objekts entsteht.

Die integrierte künstliche Intelligenz unterstützt die hohe Zählgüte des DILAX SLS-1000, indem sie nicht nur Personen, sondern auch Objekte wie Fahrräder oder Rollstühle in Echtzeit zählt und unterscheidet. Je nach Kund:innen- und Marktanforderungen kann dieser KI-basierte Algorithmus schrittweise weitere Objektklassen erlernen.

Darüber hinaus bietet DILAX mit DILAX Mercury ein Remote Access und Maintenance Tool, das eine Echtzeitüberwachung der gesamten Sensorflotte ermöglicht und die Funktionalität der Sensoren auch aus der Ferne für neue Anwendungsfälle aktualisieren kann.

Wie AFZ-Software die Zähldaten in wertvolles Wissen umwandelt

Die Analyse von lokalen Fahrgastdaten ist für Städte, Verkehrsbehörden, Gemeinden, Verkehrsplaner:innen, Stadtentwickler:innen und viele mehr von entscheidender Bedeutung, um wertvolle Einblicke in die Fahrgewohnheiten zu gewinnen und die Qualität des öffentlichen Nahverkehrs zu verbessern. Indem unsere Kund:innen mithilfe unserer AFZ-Software Fahrtmuster, Auslastungen und Wartezeiten analysieren, können sie verstehen, wie sich ihre Fahrgäste durch das Liniennetz bewegen und wo Verbesserungen vorgenommen werden können. Diese Daten sind grundlegend für eine effiziente Fahrzeugplanung, die Optimierung von Linien und Takten sowie die Bereitstellung von Ersatzfahrzeugen bei Bedarf.

Die Datenverarbeitung ist ein wichtiger Schritt, um aus den Rohdaten wertvolles Wissen zu generieren. AFZ-Systeme wie der DILAX SLS-1000 erfassen präzise Zähldaten, die dann in eine Business-Intelligence-Software eingespeist werden, wo sie mit Informationen aus verschiedenen Datenquellen kombiniert werden, darunter Fahrpläne, Haltestellen, Türöffnungen, WLAN-Daten und Daten aus Ticketing-Apps. Daraus wiederum lassen sich zuverlässige Statistiken und Erkenntnisse über die Leistung des Verkehrssystems ableiten, die eine effektive Bewertung der Flotte, Strecken, Pünktlichkeit, Fahrpläne, Personal und Netzpläne ermöglichen.

Das Ergebnis dieses komplexen Prozesses ist ein tiefes Verständnis der Fahrgastströme und ein fundierter Einblick in die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs, der dazu beiträgt, den Service für Fahrgäste gezielt weiterzuentwickeln und mehr Komfort zu ermöglichen. So kann zum Beispiel mithilfe von Echtzeitinformationen über die Fahrzeugauslastung eine schnelle Reaktion auf Spitzen im Passagieraufkommen und eine transparente Kommunikation mit den Fahrgästen gewährleistet werden.
Eine korrekte Verarbeitung, Analyse und Präsentation der AFZ-Rohdaten mittels geeigneter Software unterstützen eine effiziente Verkehrsplanung in verschiedenen Bereichen:

  • Analyse & Reporting: für optimalen Ressourceneinsatz, nachhaltige Verkehrsplanung und kontinuierliche Effizienzsteigerung

  • Bedarfsprognose: erkennt frühzeitig Engpasssituationen und Überkapazitäten in der Flottenplanung

  • Erkennen von Mustern im Passagierfluss: aktuelle und dynamische Quelle-Ziel-Matrizen für die Verkehrsplanung

  • Dynamische Vorhersagen: Schnelle Reaktion auf Spitzen im Passagieraufkommen

  • Echtzeit-Informationen: Transparente Kommunikation über Abfahrtszeiten, Verspätungen und Auslastung unterstützt die Kund:innenbindung

  • Intelligente Überwachung: Der Predictive-Maintenance-Ansatz optimiert Routen, Zeiten und Kosten für Reparatur und Wartung der Flotte

Echtzeitdaten und Analysemöglichkeiten

Die Möglichkeit zur Echtzeitanalyse gewinnt zunehmend an Bedeutung und bietet den Verkehrsbetrieben einen deutlichen Mehrwert. Durch die Anpassbarkeit der AFZ-Software können die Echtzeitdaten außerdem individuell entsprechend den jeweiligen Anforderungen genutzt werden. Ein wesentlicher Aspekt bei der Nutzung ist allerdings, dass die Stabilität der Verbindung zur Landseite gewährleistet ist.

Die AFZ-Software DILAX Citisense bietet flexible Implementierungsoptionen, darunter sowohl On-Premise- als auch Cloud-basierte Lösungen, und kann ohne vorherige Installation auf jedem Computer sowie auf Tablets und Smartphones verwendet werden. Auf diese Weise erhalten die Mitarbeitenden von Verkehrsbetrieben einfachen Zugriff auf die Daten und Erkenntnisse, unabhängig von ihrem Standort oder dem verwendeten Gerät.

Die Nutzung von Echtzeitdaten hat auch positive Auswirkungen auf die Disposition. Die Live-Erfassung von Besetztgraden ermöglicht eine noch genauere Prognose der Fahrgastwechselzeiten, verbessert die Pünktlichkeit und reduziert die Wartezeiten für Fahrzeuge des ÖPNV an Lichtsignalanlagen. Zusätzlich ermöglichen Echtzeit-Auslastungsinformationen eine schnelle Reaktion auf unvorhergesehene Situationen und unterstützen ein intelligentes Störungsmanagement.

Darüber hinaus können Fahrgäste durch den Zugriff auf Echtzeitinformationen zur aktuellen Auslastung ihre Reiseentscheidungen anpassen und beispielsweise alternative Abfahrtszeiten oder Routen wählen. Dies trägt dazu bei, die Auslastung zu entzerren, die Qualität des Platzangebots zu verbessern und die Zufriedenheit und den Komfort der Kund:innen zu erhöhen.

AFZ im ÖPNV: Anwendungsbeispiele und Praxislösungen

Im öffentlichen Nahverkehr spielen Fahrgastdaten eine entscheidende Rolle bei der Planung und Optimierung des Angebots. Praxisbeispiele aus Nordeuropa verdeutlichen, wie Verkehrsunternehmen diese Daten nutzen, um ihre Dienste zu verbessern.

Skånetrafiken, der Verkehrsverbund der Provinz Schonen, organisiert den gesamten öffentlichen Nahverkehr in Südschweden, einschließlich der Verbindung nach Kopenhagen. Jedes Jahr tragen Stadtbusse, Regionalbusse, Personenzüge und Mobilitätsfahrzeuge zu insgesamt mehr als 170 Millionen Fahrten bei, die täglich rund 14.000 Touren durchführen. Seit 2014 hat DILAX in vielen Linien und Fahrzeugen von Skånetrafiken AFZ-Sensoren für die Fahrgastzählung integriert, wodurch es dem Verkehrsverbund im Frühjahr 2020 möglich war, schnell auf die Pandemie zu reagieren.

So konnten die Kund:innen bereits im April 2020 auf der Website eine Karte mit Echtzeitdaten zur Belegung der Fahrzeuge im laufenden Betrieb abrufen. Anhand eines Ampelsystems wird hier ersichtlich, inwieweit die Busse und Bahnen ausgelastet sind: Grün für eine Belegung von weniger als 50 %, Gelb für 51 bis 75 % und Rot für eine Belegung von 76 % oder mehr. Diese Informationen ermöglichen es den Kund:innen, bereits vorab zu entscheiden, ob sie lieber ein anderes Verkehrsmittel nutzen oder ihre Fahrzeit anders wählen. Mittlerweile verfügt Skånetrafiken auch über eine Lösung, die Prognosen enthält und auf Statistiken aus Reisesuchen, gekauften Tickets in der App, validierten Tickets und AFZ-Statistiken basiert.

Auch der isländische Verkehrsverbund Strætó bs setzt ein AFZ-System ein, um detaillierte Kennzahlen zur Passagierauslastung pro Linie und zu Stoßzeiten zu erhalten. Darüber hinaus nutzt das Verkehrsunternehmen das AFZ-System für die Analyse der Auswirkungen neuer Haltestellen und Routen auf das Netzwerk. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Neuausrichtung der Fahrzeugplanung und des Bustakts ein.

Fazit

Die automatische Fahrgastzählung hat sich als unverzichtbares Instrument für die Optimierung des öffentlichen Nahverkehrs erwiesen. In Zeiten der Verkehrswende und steigender Mobilitätsanforderungen bieten AFZ-Systeme wertvolle Einblicke in das Fahrgastverhalten, und ermöglichen eine präzise Planung und Anpassung des Angebots. Die AFZ-Technologie liefert nicht nur genaue Fahrgastzahlen, sondern auch wichtige Informationen über Verkehrsmittelpräferenzen, Auslastungen und Reisezeiten.

Durch die Integration von AFZ in den ÖPNV können Verkehrsunternehmen und -verbünde ihre Dienstleistungen effizienter gestalten, die Kund:innenzufriedenheit steigern und den öffentlichen Nahverkehr insgesamt attraktiver machen. Die Möglichkeit zur Echtzeitanalyse und -information trägt dazu bei, die Pünktlichkeit zu verbessern, die Wartezeiten zu reduzieren und die Auslastung zu optimieren.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die automatische Fahrgastzählung eine Schlüsselrolle für die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs spielt, indem sie eine datengestützte, kund:innenorientierte und effiziente Planung und Bereitstellung von Mobilitätsdiensten ermöglicht.

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